YVE AT THE LAKE
EAT WELL   /   A DAMN GOOD LIFE

La Dolce Vita
Doesn’t Need
a Plane Ticket.

Of good food, good company & knowing when to leave the kitchen.

An Italian evening at home · October 2026
Ausgedruckte Rezepte als Vorbereitung auf den italienischen AbendPoolish im WECK-Glas auf einem Holzbrett
A little idea. A lot of delicious plans.

Ich liebe meine Kinder. Ich liebe gutes Essen, schöne Restaurants und lange Abende mit Freunden.

Nur ist die Kombination manchmal etwas ambitioniert.

„Ja, das Essen kommt jeden Moment!“

„Wir gehen gleich nach Hause. Lass Mama nur noch schnell essen.“

„Klar, ich helfe dir beim Schneiden.“

Während ich schneide, helfe und versuche, wenigstens drei Bissen meines eigenen Essens zu erwischen, mache ich jeder Boa constrictor ernsthafte Konkurrenz.

Und dann fällt mir ein, dass wir drei Gänge bestellt haben.

Mir bricht langsam der Schweiß aus.

Aus meiner Mary-Poppins-Tasche zaubere ich derweil Malstifte, Papier und ein Unterhaltungsprogramm, mit dem sich vermutlich auch ein Transatlantikflug überstehen ließe.

Irgendwann sitzen wir wieder zu Hause auf der Couch. Satt, erschöpft und, seien wir ehrlich, ein kleines bisschen erleichtert.

Dabei wollten wir doch eigentlich nur einen schönen Abend verbringen.

So we stay in.

Diesmal kommen unsere Freunde zu uns. Mit ihren Kindern.

Und plötzlich ist alles ganz einfach.

Die Kinder können spielen, lachen, herumtoben. Sich ein Stück Focaccia schnappen, wenn sie Hunger haben. Wieder verschwinden. Wieder auftauchen.

Niemand muss still sitzen, nur weil die Erwachsenen gerade beim zweiten Glas Wein angekommen sind.

Und wir?

Wir können reden. Richtig reden. Einen Gedanken zu Ende bringen. Vielleicht sogar zwei.

Ich liebe es, Gastgeberin zu sein. Einen schönen Tisch zu decken, etwas Köstliches vorzubereiten und Menschen um mich zu haben, mit denen ich gerne meine Zeit verbringe.

Was ich weniger liebe, ist, den ganzen Abend in der Küche zu stehen, während draußen das Leben stattfindet.

Schließlich habe ich die Menschen eingeladen. Nicht die Arbeit.

Something Italian, please.

Eigentlich fing alles ganz harmlos an.

Unsere Freunde schlugen vor, italienischen Schinken, Antipasti, Käse und eine Flasche Vino Rosso mitzubringen.

Eine ausgezeichnete Idee.

Und dann dachte ich an Focaccia.

Frisch gebacken natürlich. Mit Rosmarin, Olivenöl und Fleur de Sel. Und wenn schon Focaccia, dann bitte mit Poolish.

Für alle, die jetzt an ein italienisches Familienmitglied denken: Poolish ist ein Vorteig. Mehl, Wasser und ein winziges bisschen Hefe dürfen über Nacht miteinander arbeiten. Das sorgt für mehr Aroma und eine wunderbar luftige Focaccia. Keine Magie. Nur Zeit – und gelegentlich ein Glas mit Expansionsplänen.

Dazu vielleicht ein paar marinierte Oliven. Eine selbst gemachte Tapenade wäre auch schön.

Burrata mit gerösteten Trauben, Rosmarin und Pistazien?

Oh, unbedingt.

Und zum Abschluss etwas Süßes. Kleine, goldbraune Ricotta-Frittelle mit Lemon Curd.

Ihr kennt das.

Aus „Wir bringen ein bisschen Antipasti mit“ wurden sechs ausgedruckte Rezeptseiten und ein Poolish, der inzwischen im WECK-Glas seine Spätschicht angetreten hat.

Niemand hat mich darum gebeten.

Ich hatte einfach Lust darauf.

Und ich finde, das ist ein ziemlich guter Grund, etwas zu tun.

01 / BEFORE THE EVENING

THE
NIGHT SHIFT.

Während wir über La Dolce Vita philosophieren, arbeitet im WECK-Glas jemand völlig unbeeindruckt an der morgigen Focaccia.

Mehl, Wasser, ein winziges Stück Hefe. Mehr braucht es nicht.

Während ich längst Feierabend habe, arbeitet hier noch jemand an unserem italienischen Abend.

Und zwar ganz ohne Überstundenzuschlag.

Buona notte, Poolish. Morgen hast du deinen großen Auftritt. ♡

Echter Poolish im WECK-Glas: die Spätschicht für die morgige Focaccia
The night shift
FROM POOLISH TO PLEASURE
Kowalski, wir haben ein Problem. Der Teig hat Expansionspläne. 🐧
The night shift. A very ambitious poolish.
Operation Focaccia. Mission erfolgreich abgeschlossen.
Operation Focaccia. Mission accomplished.
Focaccia & hausgemachte Oliven-Zitronen-Tapenade.
Rosemary focaccia & homemade olive-lemon tapenade.

A little preparation.
A lot of pleasure.

Das Schöne an diesem Essen ist, dass vieles schon vorbereitet werden kann.

Die Oliven dürfen in ihren Marinaden ziehen. Der Lemon Curd wartet im Kühlschrank. Und der Poolish hat seine Nachtschicht hoffentlich erfolgreich beendet.

Am nächsten Tag wird daraus eine goldbraune Focaccia, die noch leicht warm auf den Tisch kommt.

Die Burrata bekommt ihre gerösteten Trauben, Rosmarin und Pistazien. Dazu stellen wir kleine Schälchen mit Oliven und Tapenade.

Unsere Freunde bringen Schinken, Antipasti, Käse und den Vino Rosso mit.

Und plötzlich ist der Tisch voll.

Nicht, weil ich ein perfektes Dinner inszenieren möchte. Sondern weil ich gutes Essen liebe. Das Vorbereiten genauso wie das Genießen.

Später gibt es frisch ausgebackene Ricotta-Frittelle. Außen knusprig, innen weich, mit einem großzügigen Klecks zitronigem Lemon Curd.

Und dann?

Dann bleibe ich sitzen.

Geteiltes Essen. Gemeinsame Zeit.
Focaccia, good company & something to share.
Für die Kinder mit roter Grütze. Für die Erwachsenen mit Lemon Curd.
Something sweet. Ricotta-Frittelle & the little extras.
THE LITTLE DETAILS
Die Krume, für die sich das Warten gelohnt hat.
Worth every minute. The crumb.
Ricotta-Frittelle: außen goldbraun, innen weich.
Golden outside. Soft inside.
Ein Glas selbst gemachtes Lemon Curd.
Homemade lemon curd.
Geteiltes Essen. Gemeinsame Zeit.
Good food is meant to be shared.

The good part.

Die Kinder spielen. Wir reden, lachen, essen. Vielleicht holen wir noch eine Flasche Wein.

Niemand muss sich beeilen. Niemand muss auf die Rechnung warten. Und die Mary-Poppins-Tasche darf ausnahmsweise geschlossen bleiben.

Ich möchte nicht weniger Freude am Vorbereiten haben.

Ich möchte nur, dass danach noch genügend Zeit bleibt für das, worauf ich mich eigentlich gefreut habe.

Die Menschen am Tisch.

Und wenn irgendwann alle müde werden, müssen wir nicht einmal mehr nach Hause fahren.

Wir sind schon da.

A LITTLE MOVEMENT
ON THE TABLE

The little Italian menu.

Alle fünf Rezepte von unserem Abend – zum Nachkochen, Teilen und Wiederholen.

THE RECIPE · AUS UNSERER KÜCHE

Poolish-Focaccia mit Rosmarin

Goldene Kruste, luftige Krume, Olivenöl und ein bisschen Geduld. Für ein Blech von etwa 30 × 40 cm.

Am Vorabend · Poolish

  • 250 g Weizenmehl Type 550
  • 250 g Wasser
  • 1 g frische Hefe

Am Backtag · Hauptteig

  • gesamter Poolish (ca. 501 g)
  • 350 g Weizenmehl Type 550
  • 210 g Wasser
  • 3 g frische Hefe
  • 12 g Salz
  • 25 g Olivenöl

Für Blech & Oberfläche

  • ca. 30 g Olivenöl fürs Blech
  • 30 g Wasser + 20 g Olivenöl als Salzlake-Basis
  • Rosmarin, Fleur de Sel
  • etwas Zitronenabrieb nach dem Backen

So wird’s gemacht · Thermomix

  1. Am Vorabend: Mehl, Wasser und Hefe verrühren, abdecken und über Nacht bei kühler Raumtemperatur reifen lassen, bis der Poolish sichtbar blasig ist.
  2. Teig: Poolish, 350 g Mehl, 210 g Wasser und 3 g Hefe in den Mixtopf geben. 3 Min. / Teigstufe kneten. 20 Min. ruhen lassen.
  3. Fertig kneten: Salz und 25 g Olivenöl zugeben, weitere 3 Min. / Teigstufe kneten.
  4. Gehen lassen: In eine geölte Schüssel geben und 2–3 Stunden ruhen lassen. Während der ersten 90 Minuten dreimal im Abstand von etwa 30 Minuten dehnen und falten.
  5. Aufs Blech: Ein 30 × 40-cm-Blech großzügig mit Olivenöl einstreichen. Teig behutsam hineingeben und verteilen. Weitere 60–90 Minuten gehen lassen.
  6. Backen: Backofen auf 230 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Mit geölten Fingern tiefe Mulden eindrücken. Wasser und Olivenöl verrühren, darübergeben, mit Rosmarin und Fleur de Sel bestreuen. Etwa 22–28 Minuten goldbraun backen.
  7. Finale: Aus dem Blech lösen, auf einem Gitter etwas abkühlen lassen und nach Wunsch mit wenig Olivenöl und frischem Zitronenabrieb vollenden.

YVE-Tipp: Die Gehzeiten sind Richtwerte. Der Teig soll sichtbar luftig sein. Und beim Poolish lieber ein ausreichend großes Gefäß nehmen. Kowalski kann bestätigen, warum.

THE RECIPE · AUS UNSERER KÜCHE

Burrata mit gerösteten Trauben

Für 4 Erwachsene als Teil einer Antipasti-Tafel.

Zutaten

  • 3 Burrata à 125 g
  • 500 g kernlose Trauben
  • 2–3 Zweige Rosmarin
  • 2 EL Olivenöl
  • 2 EL Pistazien, grob gehackt
  • 1–2 TL Honig
  • 1–2 TL Balsamico
  • Fleur de Sel, frisch gemahlener Pfeffer

So wird’s gemacht

  1. Backofen auf 200 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Trauben waschen, trocknen und mit Olivenöl und Rosmarin auf einem Blech verteilen.
  2. 18–22 Minuten rösten, bis die Trauben weich werden und einzelne aufplatzen. Kurz abkühlen lassen.
  3. Burrata auf einer Platte verteilen und behutsam öffnen. Warme Trauben und ihren Saft darübergeben.
  4. Mit Pistazien, Honig, Balsamico, Fleur de Sel und Pfeffer vollenden. Mit Focaccia servieren.
THE RECIPE · AUS UNSERER KÜCHE

Oliven-Zitronen-Tapenade

Ein Glas für die Tafel – und wahrscheinlich zu wenig Brot.

Zutaten

  • 150 g schwarze Oliven, entsteint
  • 100 g grüne Oliven, entsteint
  • 1 kleine Knoblauchzehe
  • 1 EL Kapern, abgetropft
  • Abrieb von 1 Bio-Zitrone
  • 2–3 EL gutes Olivenöl
  • ½ TL Honig, nach Geschmack
  • 1 TL Thymianblättchen
  • Etwas Zitronensaft und Pfeffer nach Geschmack

So wird’s gemacht

  1. Oliven, Knoblauch und Kapern grob zerkleinern.
  2. Im Thermomix 3–5 Sek. / Stufe 5 hacken; bei Bedarf mit dem Spatel nach unten schieben. Die Masse soll stückig bleiben, nicht püriert.
  3. Zitronenabrieb, Olivenöl, Honig und Thymian einrühren. Mit wenig Zitronensaft und Pfeffer abschmecken.
  4. Mindestens 30 Minuten ziehen lassen. Salz erst nach dem Probieren zugeben – Oliven und Kapern bringen bereits reichlich mit.
THE RECIPE · AUS UNSERER KÜCHE

Frittelle di Ricotta

Luftige italienische Ricottabällchen – außen goldbraun, innen zart. Ergibt etwa 25–30 Stück, je nach Größe.

Zutaten

  • 500 g Ricotta, gut abgetropft
  • 3 Eier (M)
  • 100 g Zucker
  • 250 g Weizenmehl
  • 12 g Backpulver
  • 1 TL Vanillepaste
  • Abrieb von 1 Bio-Zitrone
  • 1 EL Zitronensaft
  • ¼ TL gemahlener Kardamom
  • 1 Prise Salz
  • Neutrales Öl zum Frittieren
  • Puderzucker zum Bestäuben
  • Zum Servieren: Lemon Curd oder rotes Beerenkompott

So wird’s gemacht

  1. Ricotta, Eier, Zucker, Vanillepaste, Zitronenabrieb und Zitronensaft glatt rühren.
  2. Mehl, Backpulver, Kardamom und Salz kurz unterheben. Der Teig soll weich und löffelbar sein; nicht unnötig lange rühren.
  3. Öl in einem ausreichend hohen Topf auf 170 °C erhitzen. Mit zwei Teelöffeln kleine Portionen abstechen und portionsweise ins Fett gleiten lassen.
  4. Etwa 4–5 Minuten goldbraun frittieren, dabei wenden. Ein Probestück aufschneiden: Die Mitte muss durchgegart sein.
  5. Auf Küchenpapier abtropfen lassen, mit Puderzucker bestäuben und am besten noch lauwarm mit Lemon Curd oder Beerenkompott servieren.
THE RECIPE · AUS UNSERER KÜCHE

Homemade Lemon Curd

Seidig, buttrig und mit genau der richtigen Portion Zitrone. Ergibt ungefähr 2 kleine Gläser.

Zutaten

  • 150 g frisch gepresster Zitronensaft
  • Fein abgeriebene Schale von 2 Bio-Zitronen
  • 160 g Zucker
  • 3 Eier (M)
  • 100 g Butter in Stücken
  • ½ TL Vanillepaste
  • 1 kleine Prise Fleur de Sel

So wird’s gemacht

  1. Zitronensaft, Abrieb, Zucker, Eier, Butter, Vanille und Salz in den Mixtopf geben.
  2. 15 Min. / 85 °C / Stufe 3 erhitzen, bis die Creme sämig ist. Falls nötig, in kurzen Intervallen bei 85 °C weiterrühren.
  3. Für besonders seidige Konsistenz durch ein feines Sieb in saubere Gläser füllen.
  4. Abkühlen lassen und im Kühlschrank aufbewahren. Kühl servieren und innerhalb weniger Tage verbrauchen.
GOOD FOOD. HAPPY KIDS. LONG CONVERSATIONS.

La Dolce Vita.
Right here, at the lake.

Yve – Autorenporträt

Mit Liebe, Yve ♡

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