Ich liebe meine Kinder. Ich liebe gutes Essen, schöne Restaurants und lange Abende mit Freunden.
Nur ist die Kombination manchmal etwas ambitioniert.
„Ja, das Essen kommt jeden Moment!“
„Wir gehen gleich nach Hause. Lass Mama nur noch schnell essen.“
„Klar, ich helfe dir beim Schneiden.“
Während ich schneide, helfe und versuche, wenigstens drei Bissen meines eigenen Essens zu erwischen, mache ich jeder Boa constrictor ernsthafte Konkurrenz.
Und dann fällt mir ein, dass wir drei Gänge bestellt haben.
Mir bricht langsam der Schweiß aus.
Aus meiner Mary-Poppins-Tasche zaubere ich derweil Malstifte, Papier und ein Unterhaltungsprogramm, mit dem sich vermutlich auch ein Transatlantikflug überstehen ließe.
Irgendwann sitzen wir wieder zu Hause auf der Couch. Satt, erschöpft und, seien wir ehrlich, ein kleines bisschen erleichtert.
Dabei wollten wir doch eigentlich nur einen schönen Abend verbringen.
So we stay in.
Diesmal kommen unsere Freunde zu uns. Mit ihren Kindern.
Und plötzlich ist alles ganz einfach.
Die Kinder können spielen, lachen, herumtoben. Sich ein Stück Focaccia schnappen, wenn sie Hunger haben. Wieder verschwinden. Wieder auftauchen.
Niemand muss still sitzen, nur weil die Erwachsenen gerade beim zweiten Glas Wein angekommen sind.
Und wir?
Wir können reden. Richtig reden. Einen Gedanken zu Ende bringen. Vielleicht sogar zwei.
Ich liebe es, Gastgeberin zu sein. Einen schönen Tisch zu decken, etwas Köstliches vorzubereiten und Menschen um mich zu haben, mit denen ich gerne meine Zeit verbringe.
Was ich weniger liebe, ist, den ganzen Abend in der Küche zu stehen, während draußen das Leben stattfindet.
Schließlich habe ich die Menschen eingeladen. Nicht die Arbeit.
Something Italian, please.
Eigentlich fing alles ganz harmlos an.
Unsere Freunde schlugen vor, italienischen Schinken, Antipasti, Käse und eine Flasche Vino Rosso mitzubringen.
Eine ausgezeichnete Idee.
Und dann dachte ich an Focaccia.
Frisch gebacken natürlich. Mit Rosmarin, Olivenöl und Fleur de Sel. Und wenn schon Focaccia, dann bitte mit Poolish.
Für alle, die jetzt an ein italienisches Familienmitglied denken: Poolish ist ein Vorteig. Mehl, Wasser und ein winziges bisschen Hefe dürfen über Nacht miteinander arbeiten. Das sorgt für mehr Aroma und eine wunderbar luftige Focaccia. Keine Magie. Nur Zeit – und gelegentlich ein Glas mit Expansionsplänen.
Dazu vielleicht ein paar marinierte Oliven. Eine selbst gemachte Tapenade wäre auch schön.
Burrata mit gerösteten Trauben, Rosmarin und Pistazien?
Oh, unbedingt.
Und zum Abschluss etwas Süßes. Kleine, goldbraune Ricotta-Frittelle mit Lemon Curd.
Ihr kennt das.
Aus „Wir bringen ein bisschen Antipasti mit“ wurden sechs ausgedruckte Rezeptseiten und ein Poolish, der inzwischen im WECK-Glas seine Spätschicht angetreten hat.
Niemand hat mich darum gebeten.
Ich hatte einfach Lust darauf.
Und ich finde, das ist ein ziemlich guter Grund, etwas zu tun.
A little preparation.
A lot of pleasure.
Das Schöne an diesem Essen ist, dass vieles schon vorbereitet werden kann.
Die Oliven dürfen in ihren Marinaden ziehen. Der Lemon Curd wartet im Kühlschrank. Und der Poolish hat seine Nachtschicht hoffentlich erfolgreich beendet.
Am nächsten Tag wird daraus eine goldbraune Focaccia, die noch leicht warm auf den Tisch kommt.
Die Burrata bekommt ihre gerösteten Trauben, Rosmarin und Pistazien. Dazu stellen wir kleine Schälchen mit Oliven und Tapenade.
Unsere Freunde bringen Schinken, Antipasti, Käse und den Vino Rosso mit.
Und plötzlich ist der Tisch voll.
Nicht, weil ich ein perfektes Dinner inszenieren möchte. Sondern weil ich gutes Essen liebe. Das Vorbereiten genauso wie das Genießen.
Später gibt es frisch ausgebackene Ricotta-Frittelle. Außen knusprig, innen weich, mit einem großzügigen Klecks zitronigem Lemon Curd.
Und dann?
Dann bleibe ich sitzen.
The good part.
Die Kinder spielen. Wir reden, lachen, essen. Vielleicht holen wir noch eine Flasche Wein.
Niemand muss sich beeilen. Niemand muss auf die Rechnung warten. Und die Mary-Poppins-Tasche darf ausnahmsweise geschlossen bleiben.
Ich möchte nicht weniger Freude am Vorbereiten haben.
Ich möchte nur, dass danach noch genügend Zeit bleibt für das, worauf ich mich eigentlich gefreut habe.
Die Menschen am Tisch.
Und wenn irgendwann alle müde werden, müssen wir nicht einmal mehr nach Hause fahren.
Wir sind schon da.